Lkw-Maut in Deutschland und Österreich: Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
Markus Feldmann
26 Juni 2026
Lkw-Maut in Deutschland und Österreich: Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
Wer als Spediteur oder Berufskraftfahrer regelmäßig zwischen Deutschland und Österreich unterwegs ist, kennt die Herausforderung: Zwei Länder, zwei Mautsysteme, unterschiedliche Tarife und technische Anforderungen. Ein Fehler bei der Mautabwicklung kann schnell teuer werden – Bußgelder von mehreren hundert bis tausend Euro sind keine Seltenheit. In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie alles, was Sie über die Lkw-Maut in Deutschland und Österreich wissen müssen, welche Unterschiede bestehen und wie Sie als Transportunternehmer optimal vorbereitet sind.
1. Die Mautsysteme im Vergleich: Toll Collect vs. ASFINAG GO-Maut
Deutschland: Das Toll-Collect-System
In Deutschland wird die Lkw-Maut über das Toll-Collect-System erhoben. Dieses satellitengestützte System nutzt eine Kombination aus GPS-Technologie und Mobilfunkkommunikation, um die gefahrenen mautpflichtigen Strecken automatisch zu erfassen.
Wichtige Eckdaten:
- Betreiber: Toll Collect GmbH (im Auftrag des Bundes)
- Mautpflichtige Fahrzeuge: Lkw und Fahrzeugkombinationen ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse (tzGm)
- Mautpflichtiges Streckennetz: Alle Bundesautobahnen und Bundesstraßen (ca. 52.000 km)
- Erfassungstechnologie: GPS/GNSS + GSM-Mobilfunk
- On-Board Unit (OBU): Kostenlose Toll-Collect-Box
- Betreiber: ASFINAG
- Mautpflichtige Fahrzeuge: Lkw ab 3,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht (hzG)
- Mautpflichtiges Streckennetz: Alle Autobahnen und Schnellstraßen (ca. 2.249 km)
- Erfassungstechnologie: Mikrowelle (DSRC, 5,8 GHz)
- On-Board Unit: GO-Box (kostenpflichtig, ca. 5 Euro)
- Infrastrukturkosten – für den Bau und Erhalt der Straßen
- Luftverschmutzungskosten – abhängig von der Schadstoffklasse
- Lärmbelastungskosten – pauschaler Aufschlag
- CO₂-Aufschlag – seit dem 1. Dezember 2023 neu eingeführt
- Achsanzahl (2, 3 oder 4+ Achsen)
- EURO-Emissionsklasse des Fahrzeugs
- Streckenabschnitt (Sondermautstrecken wie Brenner, Tauern, Arlberg etc.)
- Brenner-Autobahn (A13): Zusätzliche Streckenmaut von ca. 8,50 € pro Fahrt (je nach Kategorie)
- Tauernautobahn (A10): Zusätzliche Tunnelmaut
- Arlbergtunnel (S16): Sondermaut für die Tunneldurchfahrt
- DKV Mobility
- Telepass
- Axxès
- Eurowag
- Montage durch zertifizierte Werkstätten oder Selbsteinbau
- Regelmäßige Überprüfung der Fahrzeugdaten (Achszahl, Schadstoffklasse, Gewicht)
- Kostenlose Bereitstellung und Wartung
- Erwerb an Vertriebsstellen (Tankstellen, ASFINAG-Servicestellen)
- Korrekte Positionierung an der Windschutzscheibe (Bereich hinter dem Rückspiegel)
- Achsanzahl muss korrekt eingestellt sein – bei Fahrzeugen mit Liftachse ist besondere Sorgfalt geboten
- Batterielebensdauer beachten (ca. 5 Jahre)
- Automatische Kontrolle: Kontrollbrücken auf Autobahnen und Bundesstraßen erfassen Fahrzeuge und gleichen die Daten mit dem System ab
- Mobile Kontrolle: Der Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) führt Kontrollen mit mobilen Einheiten durch
- Betriebsprüfungen: Stichprobenartige Überprüfung von Unternehmensdaten
- Mautportale mit Kameras: Automatische Kennzeichenerkennung
- Mobile Kontrollfahrzeuge: Stichprobenkontrollen auf Autobahnen und Rastplätzen
- Videoüberwachung: Ergänzende Kontrolle an neuralgischen Punkten
- Fahrzeugdaten aktuell halten: Schadstoffklasse, Achsanzahl und Gesamtgewicht müssen in beiden Systemen korrekt hinterlegt sein
- Guthaben prüfen: Bei der GO-Box im Pre-Pay-Modus rechtzeitig aufladen
- Routenplanung: Sondermautstrecken in Österreich berücksichtigen und in die Kalkulation einbeziehen
- EETS-Anbieter prüfen: Für regelmäßige grenzüberschreitende Fahrten kann ein EETS-Gerät die Abwicklung deutlich vereinfachen
- OBU/GO-Box Funktionsfähigkeit: Achten Sie auf die Statusanzeige der Geräte – ein rotes Signal bedeutet Fehler
- Liftachsen: In Österreich muss die Achsanzahl an der GO-Box bei abgesenkter Liftachse angepasst werden
- Belege aufbewahren: Bewahren Sie Mautbelege und Einbuchungsbestätigungen mindestens ein Jahr auf
- Abrechnungen kontrollieren: Vergleichen Sie die Mautabrechnungen mit Ihren Fahrtenbü
Praxistipp: Die manuelle Einbuchung muss vor Fahrtantritt auf dem mautpflichtigen Streckenabschnitt erfolgen. Vergessen Sie die Einbuchung, droht ein Bußgeld von bis zu 480 Euro.
Österreich: Die ASFINAG GO-Maut
In Österreich ist die ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft) für die Mauterhebung zuständig. Das System basiert auf Mikrowellentechnologie (DSRC) und funktioniert über Mautportale, die an den Autobahnen und Schnellstraßen installiert sind.
Wichtige Eckdaten:
Wichtig: Die GO-Box muss regelmäßig mit ausreichend Guthaben aufgeladen werden (Pre-Pay-Modell) oder über ein Post-Pay-Konto abgerechnet werden. Eine leere GO-Box führt zu einer Ersatzmaut von 240 Euro pro Verstoß!
2. Mautkosten und Tarifstruktur: Was kostet die Lkw-Maut?
Tarifberechnung in Deutschland
Die deutsche Lkw-Maut setzt sich seit der Reform im Dezember 2023 aus vier Komponenten zusammen:
Beispielrechnung Deutschland:
| Fahrzeugtyp | Achsen | Schadstoffklasse | Mautsatz/km |
|—|—|—|—|
| Sattelzug 40t | 5 Achsen | Euro VI | ca. 0,208 € |
| Sattelzug 40t | 5 Achsen | Euro V | ca. 0,228 € |
| Solo-Lkw 12t | 2 Achsen | Euro VI | ca. 0,119 € |
Hinweis: Die genauen Tarife können sich ändern. Aktuelle Werte finden Sie auf der Website von Toll Collect.
Tarifberechnung in Österreich
In Österreich basiert die Maut auf einem kilometerabhängigen Tarifsystem, das sich nach folgenden Kriterien richtet:
Beispiel Sondermautstrecken:
Kostenvergleich: Auf den ersten Blick erscheinen die Kilometerpreise in beiden Ländern ähnlich. Durch die Sondermautstrecken in Österreich und den CO₂-Aufschlag in Deutschland können die tatsächlichen Kosten jedoch stark variieren. Eine sorgfältige Routenplanung ist daher essenziell.
3. Technische Anforderungen und Interoperabilität
Zwei Boxen – ein Problem?
Eine der größten Herausforderungen für grenzüberschreitend tätige Transportunternehmen ist die fehlende vollständige Interoperabilität der beiden Systeme. Die deutsche Toll-Collect-Box und die österreichische GO-Box sind nicht kompatibel – wer in beiden Ländern fährt, benötigt grundsätzlich beide Geräte.
Allerdings gibt es Fortschritte:
Durch die europäische EETS-Richtlinie (European Electronic Toll Service) gibt es mittlerweile Anbieter, die einen einzigen EETS-fähigen Bordcomputer anbieten, der in mehreren Ländern funktioniert. Zu den bekannten EETS-Anbietern gehören:
Empfehlung: Wenn Sie regelmäßig in mehreren europäischen Ländern unterwegs sind, lohnt sich die Investition in einen EETS-Anbieter. Die monatlichen Servicegebühren amortisieren sich schnell durch den geringeren Verwaltungsaufwand.
Montage und Wartung der Geräte
Toll-Collect-Box (Deutschland):
GO-Box (Österreich):
Achtung: Eine falsch eingestellte Achsanzahl an der GO-Box gilt als Mautprellerei und wird mit einer Ersatzmaut von 240 Euro geahndet. Prüfen Sie die Einstellung bei jedem Fahrzeugwechsel!
4. Kontrolle und Sanktionen: Was passiert bei Verstößen?
Kontrollen in Deutschland
Toll Collect setzt auf ein mehrstufiges Kontrollsystem:
| Verstoß | Bußgeld |
|—|—|
| Fahrt ohne Einbuchung/OBU | bis zu 480 € |
| Falsche Fahrzeugdaten | bis zu 480 € |
| Manipulation der OBU | Strafverfahren möglich |
Kontrollen in Österreich
Die ASFINAG kontrolliert ebenfalls automatisch und manuell:
| Verstoß | Ersatzmaut / Strafe |
|—|—|
| Fahrt ohne GO-Box | 240 € Ersatzmaut |
| Falsche Achsanzahl | 240 € Ersatzmaut |
| Mautprellerei (Wiederholung) | bis zu 3.000 € |
| Manipulation | Strafanzeige |
Hinweis: In Österreich wird die Ersatzmaut sofort vor Ort eingehoben. Kann der Fahrer nicht zahlen, kann das Fahrzeug bis zur Zahlung angehalten werden.
5. Praktische Tipps für den grenzüberschreitenden Transport
Damit Sie als Spediteur oder Berufskraftfahrer optimal aufgestellt sind, haben wir die wichtigsten Praxistipps zusammengestellt: